Streuobstwiesen – ein Stück Kultur

 

Streuobstwiesen zählen seit Jahrhunderten zu den landschaftsprägenden Elementen unserer Kulturlandschaft. Obstbäume waren schon immer ein unverzichtbarer Kulturbegleiter des Menschen. Höfe und Siedlungen waren von Grüngürteln aus Obstbäumen umgeben und damit durch einen wertvollen Lebensraum bereichert.

Das Landschaftsbild wurde von Obstpflanzungen an Straßen und in der Feldflur gegliedert und belebt. Typische Streuobstwiesen werden umweltverträglich gepflegt und bewirtschaftet, d. h. auf die Anwendung synthetischer Behandlungsmittel wie Pestizide und Dünger wird verzichtet.

 

Als Streuobstwiese bezeichnet man flächige, hochstämmige und in Sorten und Arten gemischte Obstbaumbestände oder Obstbaumreihen von mindestens 10 Bäumen je 0,15 Hektar. In Ausnahmefällen werden auch traditionell vorhandene Halbstämme oder Bestände einer Art und Sorte dazu gezählt, wenn die Unternutzung stimmt. Allen gepflegten Streuobstbeständen gemeinsam ist die regelmäßige Nutzung sowohl der Hochstamm-Obstbäume (Obernutzung) als auch der Flächen unter den Bäumen (Unternutzung). Streuobstwiesen sind das Ergebnis historischer Landnutzung.

 

 In Deutschland gehen sie auf das Mittelalter zurück und beschränkten sich zunächst auf die unmittelbare Umgebung der Siedlungen. So entstanden die ortseinrahmenden Obstgürtel. Erst durch die obstbauliche Entwicklung ab dem 16. Jahrhundert gelangten die Obstbäume in die freie Feldflur.

Führend in Nordrhein-Westfalen war der Obstbau an der Niederwupper (Bergisches Land), der bereits um 1500 einen Haupterwerbszweig darstellte und die benachbarten Städte wie z. B. Köln mit Obst belieferte. Erst im 18. und verstärkt im 19. Jahrhundert erlebte der Obstbau seinen Aufschwung. Dieser äußerte sich in der staatlichen Förderung und Gesetzgebung, der Anlage von Baumschulen, Bepflanzung von Allmendeflächen sowie Obstpflanzungen auf Gütern und an Straßen

 

Streuobstwiesen sind besonders strukturreiche und artenreiche Kulturbiotope, in denen Elemente und Strukturen der lichten Wälder, Waldränder und Wiesen zu finden sind. Sie bieten zahlreichen Tier- und Pflanzenarten einen wichtigen Lebensraum in unserer Kulturlandschaft und sind zugleich Symbol für eine naturverträgliche Landbewirtschaftung.

 

Aufgrund der Lebensraumvielfalt herrscht ein großes Nahrungsangebot für Tiere, was sich in einem hohen Artenreichtum wiederspiegelt. Die Tiere auf Streuobstwiesen profitieren von den saisonalen Nahrungsspitzen wie Blüte, Fruchtfall und Mahd sowie den Nutzungseigenarten wie faulendes Obst, belassene Totholzhaufen und auch Dunghaufen.

 

 Eine charakteristische Tierart der Streuobstwiesen ist der Steinkauz, der von den zahlreich aufgehängten Steinkauzröhren profitiert.

¾ der bundesweiten Steinkauzbestände leben in NRW. Neben den Kopfbäumen in der Niederung nutzt er die Streuobstwiesen, die ihm zusätzlich entscheidende Vorteile bieten. Dies sind u.a. die überwiegende Nutzung des Grünlandes als Weide und die Nähe zu landwirtschaftlichen Gehöften.

 

Noch bis 1945 waren die hochstämmigen Streuobstwiesen der landwirtschaftlichen Betriebe die Basis für die Obsterzeugung, dienten der Bevölkerung zur Selbstversorgung und belieferten die örtlichen Märkte. 

Nach dem 2. Weltkrieg ging die betriebswirtschaftliche Bedeutung der Streuobstwiesen zurück. Landwirtschaft und Obstbau wurden eigenständige Betriebszweige und der Obstbau konzentrierte sich in intensiv gepflegten Niederstamm-Plantagen. Der Apfel wurde EU-weit zum standardisierten Handelsprodukt. Bei den Früchten kam es nun vor allem auf hohe und gleichbleibende Erträge, gleichmäßiges Erscheinungsbild in Form und Größe, gute Lagerungs- und Transportfähigkeit sowie Eignung zur maschinellen Sortierung an. Die Sortenvielfalt ging verloren, da Pflege und Ernte der Streuobstwiesen für die heimischen Obstbauern zu teuer wurden und den ausländischen Konkurrenten nicht standhalten konnten.

 

Mit dieser Entwicklung änderte sich das Verhalten der Verbraucher, die nur noch „makelloses“ Obst verlangten, und zahlreiche Streuobstwiesen wurden mit EG-Prämien gerodet. Durch den wachsenden Wohlstand sowie das reichliche und preisgünstige Obstangebot auf dem Markt ließ das Interesse an der Obstselbstversorgung in der Bevölkerung weiter stark nach.

 

Die Pflege der Altbestände wurde vernachlässigt, junge Bäume nicht mehr nachgepflanzt.

 

Allein in den letzten 40 Jahren ist in Nordrhein-Westfalen ein Rückgang an Streuobstwiesen von 74 % zu verzeichnen. Das hat dazu geführt, dass der Lebensraum Streuobstwiese in der „Roten Liste der gefährdeten und vom Aussterben bedrohten Biotoptypen“ aufgeführt ist.

 

Ein Großteil der heute noch vorhandenen Streuobstbestände ist überaltert und hat auch bei kontinuierlicher Pflege nur noch eine begrenzte Lebenserwartung. 

 

Der Hegering Volmarstein beteiligt sich im Rahmen seiner Möglichkeiten mit der Neuanlage von Streuobstwiesen in seinem Einzugsbereich, insbesondere den ländlichen Stadtteilen von Wetter (Ruhr),aus dem alten Amt Volmarstein .

 

 

Um die Ziele des Natur- und Artenschutzes zu erreichen, müssen die Pflegemaßnahmen Minimalanforderungen erfüllen:

1. Jährlicher Erziehungsschnitt bei Jungbäumen bis etwa zum 10. Standjahr

2. Ab etwa dem 10. Jahr regelmäßige Überwachungsschnitte im Abstand von 3 bis 5 Jahren

3. Frei- bzw. Kurzhalten der Baumscheiben (Wurzelbereich) in den ersten 5 Jahren

4. Regelmäßige Nachpflanzungen mit robusten Obstsorten, organische Düngung nicht vergessen

5. Jährliche Kontrolle der Anbindung, des Stammes und des Insekten- und Pilzbefalls

6. Naturverträgliche Grünlandnutzung durch Beweidung oder Mahd

7. Verbissschutz bei Beweidung

8. Kein Grünlandumbruch

9. Kein Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln

10. Absterbende Bäume und Totholz sollen als Lebensraum für gefährdete Tierarten erhalten werden, sofern sie ohne Krankheitserreger sind

 

 

 

Quelle : Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen

 


Pflanzung des 100. Streuobswiesenbaumes

 

Die Pflanzung des 100. Streuobstwiesen-Baumes im November des Jahres 2016 durch unseren Hegering ist erfolgreich abgeschlossen.